Rückblick, Einblicke und Ausblick – 50 Jahre Engagement für Nierenpatientinnen und Nierenpatienten
1. „Mit Grenzen leben“ – Simea Schwab
Referentin: Simea Schwab – Theologin, Erwachsenenbildnerin und Autorin.
Inhalt & Zusammenfassung:
Simea Schwab berichtete aus ihrem eigenen Leben mit einer schweren körperlichen Beeinträchtigung und zeigte, wie sie mit diesen „Grenzen“ umgeht. Sie lebt seit Geburt ohne Arme und hat gelernt, ihr Leben aktiv und selbstbestimmt zu gestalten. In ihrem Vortrag ging es darum, wie man innere und äußere Begrenzungen anerkennt, ohne den Lebensmut zu verlieren, und wie ein positives Selbstverständnis trotz – oder gerade wegen – Herausforderungen entstehen kann.
Kernbotschaft:
Grenzen im Leben sind menschlich und zeigen Wege zu persönlichem Wachstum, Anpassung und Resilienz.
2. „Wir wollen nicht wissen, ob die Milchstrasse pasteurisiert wird“ – Niklaus Ingold
Referent: Niklaus Ingold – Historiker und Autor.
Inhalt & Zusammenfassung:
Ingold beschäftigte sich mit der Geschichte der Nephrologie in der Schweiz, insbesondere um 1975. Er zeigte auf, wie die Herausforderungen der frühen Dialyse- und Transplantationsmedizin – etwa hohe Kosten, technische Grenzen und gesellschaftliche Wahrnehmung – dazu beitrugen, dass sich Patient:innen zusammenschlossen und Selbsthilfeorganisationen entstanden. Sein Vortrag beleuchtete, wie aus medizinisch schwierigen Alltagsproblemen ein politisches und soziales Engagement wuchs.
Kernbotschaft:
Die Entwicklung der Nephrologie ist eng mit Patientenbewegungen verbunden – und viele heute selbstverständliche Strukturen entstanden aus den Herausforderungen der Vergangenheit.
3. „Die Schweizerische Nierenstiftung“ – Aufklärung, Unterstützung und Förderung rund um Nierengesundheit
Referierende: François Verrey und Sabine Herzig – Vertreter*innen der Schweizerischen Nierenstiftung
Inhalt & Zusammenfassung:
Die Stiftung ist nicht nur Informations- und Beratungsstelle, sondern beteiligt sich aktiv an der Förderung von Patienten-orientierter Forschung und Initiativen zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen.
Ein Beispiel aus der Forschung, das im Kontext der Stiftung wichtig ist: Eine Studie zeigte, dass Dialysepatientinnen in der Schweiz oft hohe Transportkosten tragen müssen, weil die Grundversicherung nur einen kleinen Teil deckt – ein Thema, das auch Patientinnen- und Stiftungsperspektiven beeinflusst.
Kernbotschaft
Der Beitrag der Schweizerischen Nierenstiftung konzentrierte sich auf die Rolle, Aufgaben und Anliegen der Stiftung im Kontext von Nierengesundheit und Nierenerkrankungen.
4. „Ein Team, ein Ziel: Gemeinsam zur erfolgreichen Nierentransplantation?“ – Prof. Dr. Vanessa Banz
Referentin: Prof. Dr. med. Dr. phil. Vanessa Banz – Ärztin am Inselspital Bern.
Inhalt & Zusammenfassung:
In diesem medizinisch ausgerichteten Vortrag ging es um die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die für eine erfolgreiche Nierentransplantation erforderlich ist. Dazu gehören:
- chirurgische Techniken,
- nephrologische Betreuung,
- immunologische Abklärung,
- Pflege und psychosoziale Unterstützung.
Prof. Banz betonte, dass gute Ergebnisse nur durch ein eingespieltes Team aus verschiedenen Fachrichtungen erreicht werden können – von der präoperativen Abklärung bis zur langfristigen Nachsorge.
Kernbotschaft:
Jede erfolgreiche Transplantation ist das Produkt koordinierter Facharbeit, professioneller Pflege und enger Kommunikation zwischen Patient:innen und Fachpersonen.
5. „Der Wechsel zur Widerspruchslösung – Der nächste Meilenstein in der Organspende“ – PD Dr. Franz Immer
Referent: PD Dr. med. Franz Immer – Direktor von Swisstransplant.
Inhalt & Zusammenfassung:
Franz Immer erläuterte die bevorstehende Einführung der Widerspruchslösung in der Organspende – ein System, bei dem jede Person automatisch als potenzielle Spender:in gilt, sofern sie nicht explizit widerspricht. Das Ziel dieser Reform ist eine dauerhafte Verbesserung der Organspendezahlen und eine Verringerung der Wartezeiten für Transplantationen.
Im Vortrag wurde erklärt, welche rechtlichen, organisatorischen und ethischen Veränderungen mit diesem Systemwechsel verbunden sind und wie dies für Patient:innen, Angehörige und das Gesundheitssystem relevant sein wird.
Kernbotschaft:
Die Widerspruchslösung markiert einen bedeutenden Wandel im Schweizer Organspendesystem mit dem Potenzial, mehr Leben zu retten und die Versorgung von transplantationsbedürftigen Patient:innen zu verbessern.
📌 Fazit
Das Jubiläumssymposium bot eine breite Mischung aus persönlichen Erfahrungen, historischen Einblicken und medizinischen Fachthemen. Die Vorträge zeigten, wie weit die Nephrologie und die Patientenbewegung in der Schweiz gekommen sind – und welche Herausforderungen und Chancen noch vor uns liegen.
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